Das Wichtigste auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was ist die Tägliche Bewegungseinheit (TBE)? | Bundesweite Initiative zur Bewegungsförderung von Kindern und Jugendlichen von 2 bis 14 Jahren |
| Wo findet sie statt? | Kindergärten, Volksschulen, Sonderschulen und Schulen der Sekundarstufe I |
| Was kostet sie? | Für teilnehmende Kinder kostenlos |
| Wer leitet die Einheiten? | Ausgebildete Bewegungscoaches, Übungsleiterinnen und Übungsleiter aus Sportvereinen |
| Neu im Schuljahr 2026/27 | 34 Sportfachverbände als Umsetzungspartner, von Basketball und Schwimmen bis Orientierungslauf und Padel |
| Budget | Plus fünf Millionen Euro pro Jahr, insgesamt rund 25 Millionen Euro jährlich (Angabe Sport-Staatssekretariat) |
| Infos und Anmeldung für Einrichtungen | bewegungseinheit.gv.at |
Was hinter der Täglichen Bewegungseinheit steckt
Die TBE wird vom Bildungsministerium und vom Sportministerium (BMWKMS) gemeinsam mit Sport Austria und den drei Sportdachverbänden ASKÖ, ASVÖ und SPORTUNION getragen. Ziel ist, dass Kinder und Jugendliche im Alltag dauerhaft mehr Bewegungszeit bekommen. Das Konzept beruht auf drei Säulen:
- Säule 1 – Bewegungskultur: Bewegung soll fixer Bestandteil des Kindergarten- und Schulalltags werden, etwa durch bewegte Pausen oder bewegtes Lernen.
- Säule 2 – Bewegungseinheiten: Externe Bewegungscoaches gestalten zusätzliche, fix im Stundenplan verankerte Einheiten. In Schulen soll jede Klasse gemeinsam mit dem regulären Unterricht in Bewegung und Sport auf mindestens vier Bewegungseinheiten pro Woche kommen. Im Kindergarten gibt es pro teilnehmender Gruppe eine zusätzliche wöchentliche Einheit.
- Säule 3 – Bewegungsvielfalt: Flexible Angebote inklusive Schwimmeinheiten, die Lust auf verschiedene Sportarten machen sollen.
Der Ausbau im Herbst 2026
Im Juni 2026 hat Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt angekündigt, das Budget der TBE um fünf Millionen Euro pro Jahr aufzustocken – ein Plus von rund 25 Prozent auf insgesamt etwa 25 Millionen Euro jährlich. Damit sollen österreichweit rund 75.000 zusätzliche Bewegungseinheiten möglich werden. Laut Parlamentskorrespondenz steigt der entsprechende Ansatz im Sportbudget des Bundes von 14 Millionen Euro (2026) auf 20,6 Millionen Euro in den Jahren 2027 und 2028 – während andere Bereiche der Sportförderung gekürzt werden. Neben dem Bund tragen derzeit Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich und Kärnten finanziell bei.
Seit Schulbeginn im September 2026 bringen außerdem 34 Sportfachverbände ihre Expertise ein. Sie stellen qualifizierte Trainerinnen und Trainer und sollen den Kontakt zwischen Schulen und Vereinen in der Region stärken. Zum Vergleich: Im Februar 2026 waren erst 13 Fachverbände als zusätzliche Partner gestartet.
Was die Evaluierung zeigt
Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) hat gemeinsam mit SPIN Sport Innovation das Kindergarten- und Schuljahr 2024/25 im Auftrag des Sportministeriums evaluiert. Der dritte Evaluationsbericht vom Dezember 2025 liefert diese Kennzahlen:
| Kennzahl (Schuljahr 2024/25) | Wert |
|---|---|
| Teilnehmende Bildungseinrichtungen | 3.753 |
| Davon Kindergärten / Volksschulen | 1.469 / 2.135 |
| Teilnahmequote Volksschulen | 71 % |
| Teilnahmequote Kindergärten | 31 % |
| Teilnahmequote Sekundarstufe I | 6 % |
| Kinder und Jugendliche mit mindestens einer Einheit | rund 365.000 (Schätzung) |
| Vertretene politische Bezirke | 115 von 116 |
| Zusätzlich geschaffene Bewegungsstunden | rund 2,5 Millionen |
Neun von zehn Einrichtungen berichteten, dass sich ihre Bewegungskultur verbessert habe. Die Befragten beobachteten mehr Bewegungsgeschick, Bewegungsfreude, Teamfähigkeit und Konzentration – besonders bei Kindern mit Bewegungsdefiziten, die laut den Bewegungscoaches im Mittel 25 bis 30 Prozent der betreuten Kinder ausmachen. Beteiligte Sportvereine gewannen im Mittel fünf neue Mitglieder.
Richtig einordnen: Beobachtungen, keine Messung
So positiv die Ergebnisse klingen: Sie beruhen vor allem auf Online-Befragungen von Leitungen der Einrichtungen, Bewegungscoaches und Vereinsobleuten sowie auf einer Programmdatenbank. Eine direkte Messung von Bewegungsverhalten oder motorischer Entwicklung der Kinder – etwa mit Aktivitätstrackern oder standardisierten Motoriktests – wurde laut GÖG nicht vorgenommen, eine Kontrollgruppe gibt es nicht. Die Autorinnen und Autoren bezeichnen die beobachteten Verbesserungen deshalb als Hinweise und empfehlen eine eigene, objektive Messung. Auch fehlt die TBE in der Sekundarstufe I noch weitgehend: Dort wurden nur rund 3 Prozent der Schülerinnen und Schüler erreicht.
Wie viel Bewegung Kinder brauchen
Die Österreichischen Bewegungsempfehlungen sind klar:
- Täglich mindestens 60 Minuten Bewegung für Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahren, großteils mit mittlerer oder höherer Intensität
- An mindestens drei Tagen pro Woche muskelkräftigende und knochenstärkende Aktivitäten wie Klettern, Springen oder Turnen
- An drei Tagen pro Woche ausdauerorientierte Bewegung mit höherer Intensität
- Langes Sitzen vermeiden oder regelmäßig durch Bewegung unterbrechen
Selbst vier Bewegungseinheiten pro Woche in der Schule decken diese Empfehlung nicht allein ab. Freizeit, Schulweg und Wochenende bleiben entscheidend.
Tipps für Eltern
- In der Schule nachfragen: Ob Kindergarten oder Schule teilnehmen, erfahren Sie bei der Leitung. Einrichtungen können sich über das Kontaktformular auf bewegungseinheit.gv.at melden.
- Aktiver Schulweg: Zu Fuß, mit Roller oder Rad sammeln Kinder täglich Bewegungsminuten.
- Vereine ausprobieren: Viele Vereine bieten Schnuppertrainings an – gerade die Kontakte über die TBE können ein guter Einstieg sein.
- Vielfalt statt Spezialisierung: Unterschiedliche Sportarten fördern ein breites motorisches Spektrum.
- Vorbild sein: Gemeinsame Ausflüge, Radtouren oder Wanderungen am Wochenende motivieren mehr als Ermahnungen.
Fazit
Die Tägliche Bewegungseinheit wächst: mehr Geld, mehr Sportarten und schon heute drei von vier Volksschulkindern erreicht. Ob sich Fitness und Motorik der Kinder messbar verbessern, ist wissenschaftlich noch nicht belegt – die Rückmeldungen aus Kindergärten, Schulen und Vereinen sind aber durchwegs positiv. Wer sich und die Familie zusätzlich in Bewegung bringen möchte, findet Fitnessstudios, Personal Trainer sowie Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten in Ihrer Nähe in unserem Verzeichnis.
Foto von Lukas Blazek.



