Stress-Studie 2026: Zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher oft gestresst – was bei Burnout-Gefahr hilft

Eine aktuelle Umfrage zeichnet ein angespanntes Bild: 67 Prozent der Befragten in Österreich fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst, 83 Prozent gehen trotz Erschöpfung arbeiten – und nur 14 Prozent holen sich professionelle Hilfe. Was die Mavie Stress-Studie 2026 zeigt, welche Warnsignale Sie ernst nehmen sollten und welche kostenlosen Anlaufstellen es in Österreich gibt.

StressBurnoutMentale Gesundheit
Stress-Studie 2026: Zwei Drittel der Österreicherinnen und Österreicher oft gestresst – was bei Burnout-Gefahr hilft
Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

Für die Mavie Stress-Studie 2026 hat der Gesundheitsanbieter Mavie 1.002 Personen in Österreich befragt. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse am 10. September 2026 in Wien.

ErgebnisAnteil
Häufig oder sehr häufig gestresst67 %
Frauen häufig gestresst73 %
Männer häufig gestresst61 %
Stresslevel in den letzten ein bis zwei Jahren gestiegenknapp 40 %
Mentale Gesundheit (sehr) gut43 % (Vorjahr: 48 %)
Gehen trotz Erschöpfung arbeiten83 %
Holen sich professionelle Unterstützung14 % (Vorjahr: 21 %)
Haben im letzten Jahr am Arbeitsplatz mit niemandem über mentale Gesundheit gesprochen75 %

Wichtig bei der Einordnung: Es handelt sich um eine Umfrage, also um Selbstauskünfte der Befragten – nicht um ärztliche Diagnosen. Die Zahlen zeigen, wie Menschen ihre Belastung selbst erleben, nicht, wie viele tatsächlich an einem Burnout oder einer Depression erkrankt sind. Zudem wurde die Studie von einem Anbieter durchgeführt, der selbst Gesundheitsleistungen für Betriebe verkauft.

Frauen und junge Berufstätige besonders belastet

Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern: 73 Prozent der befragten Frauen, aber 61 Prozent der Männer fühlen sich oft gestresst. Ein Viertel der Frauen gab an, im vergangenen Jahr einen mentalen Zusammenbruch erlebt zu haben. Auch in Führungspositionen zeigt sich das Gefälle: 76 Prozent der weiblichen gegenüber 67 Prozent der männlichen Führungskräfte berichten von Stress.

Als größte Stressquellen im Job nennen die Befragten:

  1. Konflikte mit Vorgesetzten oder Kolleginnen und Kollegen
  2. Leistungs- und Termindruck
  3. Unklare oder widersprüchliche Erwartungen von Führungskräften

Präsentismus: Krank in die Arbeit

83 Prozent der Befragten gehen auch dann arbeiten, wenn sie mental erschöpft sind. Als Gründe nennen sie vor allem finanzielle Notwendigkeit, Schuldgefühle – häufiger bei Frauen – und den Wunsch, keine Schwäche zu zeigen – häufiger bei Männern. Fast ein Viertel (24 Prozent) spürt dabei einen starken oder sehr starken Leistungseinbruch.

Auch der Schlaf leidet: Unter jenen, deren Stress zuletzt gestiegen ist, berichten 29 Prozent von (sehr) schlechtem Schlaf, bei Personen mit sinkendem Stress sind es 9 Prozent. Das ist ein Zusammenhang – die Umfrage kann nicht belegen, was hier Ursache und was Folge ist. Schlechter Schlaf kann Stress verstärken, und Stress kann den Schlaf stören.

Warnsignale ernst nehmen

Burnout entwickelt sich meist schleichend. Folgende Anzeichen sollten Sie hellhörig machen, besonders wenn sie über Wochen anhalten:

  • Anhaltende Erschöpfung, die sich auch am Wochenende oder im Urlaub nicht bessert
  • Schlafprobleme, Grübeln, nächtliches Aufwachen
  • Zynismus und innere Distanz zur Arbeit oder zu Menschen im Umfeld
  • Konzentrationsprobleme und das Gefühl, trotz Mehraufwand weniger zu schaffen
  • Körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen, Magen-Darm-Probleme, Herzklopfen
  • Rückzug von Freundinnen und Freunden, Familie und Hobbys

Solche Symptome können auch andere Ursachen haben, etwa eine Depression, eine Schilddrüsenerkrankung oder einen Eisenmangel. Eine Abklärung in der Hausarztordination ist daher der erste sinnvolle Schritt.

Was im Alltag hilft

Die Befragten setzen vor allem auf drei Strategien: Zeit für sich allein, Bewegung in der Natur und Gespräche mit Freundinnen, Freunden und Familie. Diese Selbsthilfe kann ein guter Ausgleich sein – ersetzt aber keine Behandlung, wenn die Belastung zu groß wird. Bewährte Ansätze sind:

  • Regelmäßige Bewegung, gerade jetzt im Herbst bei einem Spaziergang im Wald oder einer Wanderung
  • Pausen bewusst einplanen und Erreichbarkeit nach Dienstschluss begrenzen
  • Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Yoga erlernen
  • Grenzen setzen und Belastungen frühzeitig mit der Führungskraft ansprechen

Kostenlose und kassenfinanzierte Hilfe in Österreich

Wer merkt, dass die eigenen Strategien nicht mehr reichen, findet in Österreich mehrere Anlaufstellen:

AngebotWas es bietetKontakt
fit2workKostenlose, vertrauliche Beratung bei gesundheitlichen Problemen im Job, getragen u. a. von Sozialministerium, AMS und ÖGK0800 500 118 (gebührenfrei)
psyhelpVermittlung klinisch-psychologischer Kassenplätze; für ÖGK-Versicherte ohne Kosten, für SVS und BVAEB mit Selbstbehalt; ärztliche Bestätigung nötig0800 10 02 03, psyhelp.at
Gesundheitsvorsorge Aktiv (GVA)22-tägiger stationärer Aufenthalt der Pensionsversicherung, u. a. mit dem Modul „Mentale Gesundheit" (Stressprävention, Entspannungs- und Abgrenzungstechniken)Antrag über Ihre Ärztin oder Ihren Arzt
TelefonseelsorgeAnonyme Gesprächsmöglichkeit rund um die Uhr142
GesundheitshotlineMedizinische Ersteinschätzung rund um die Uhr1450

Die GVA der PVA richtet sich in erster Linie an Menschen mit Beschwerden am Stütz- und Bewegungsapparat; das Modul „Mentale Gesundheit" ist für jene gedacht, die zusätzlich psychisch belastet sind. Die Pensionsversicherung übernimmt die vertraglich vereinbarten Kosten, Sie selbst zahlen eine einkommensabhängige Zuzahlung und die Tourismusabgabe. Ob ein Aufenthalt für Sie in Frage kommt, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

In akuten Krisen – etwa bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen – wenden Sie sich sofort an die Rettung unter 144, die Telefonseelsorge unter 142 oder die nächste psychiatrische Ambulanz.

Fazit

Die Mavie Stress-Studie 2026 bestätigt, dass Stress für viele Österreicherinnen und Österreicher zum Dauerzustand geworden ist – und dass sich gleichzeitig immer weniger Betroffene Hilfe holen. Dabei gibt es mit fit2work, den klinisch-psychologischen Kassenplätzen über psyhelp und der Gesundheitsvorsorge Aktiv gute, großteils kostenlose Angebote. Wer Warnsignale früh ernst nimmt, hat bessere Chancen, rechtzeitig gegenzusteuern. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, klinische Psychologinnen und Psychologen, Hausarztordinationen sowie Kur- und Gesundheitseinrichtungen in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Verzeichnis.


Foto von Tima Miroshnichenko.

Das könnte Sie auch interessieren

Tägliche Bewegungseinheit 2026/27: Mehr Sport in Österreichs Kindergärten und Schulen

Mit dem neuen Schuljahr wird die Tägliche Bewegungseinheit in Österreich weiter ausgebaut: 34 Sportfachverbände sind jetzt als Umsetzungspartner dabei, das Budget steigt um fünf Millionen Euro pro Jahr. Bereits 2024/25 machten rund 365.000 Kinder und Jugendliche bei mindestens einer Einheit mit. Was das Programm bietet, was die Evaluierung zeigt – und wie Eltern ihre Kinder zusätzlich in Bewegung bringen.

FitnessBewegungKinderSchule

AGES-Kontrolle: 27 von 38 Henna-Haarfarben und Hautbleichmitteln beanstandet

Henna-Haarfarben und Hautbleichmittel aus Drittländern fallen bei der österreichischen Kosmetikkontrolle regelmäßig durch – und 2026 war es nicht anders. Bei einer Schwerpunktaktion von AGES und Lebensmittelaufsicht wurden 27 von 38 Proben beanstandet, fünf davon galten als gesundheitsschädlich oder nicht sicher. Was gefunden wurde, woher die Produkte stammen und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

KosmetikHaarfarbeKosmetikprodukte